Presseberichte 2020


JBU tritt am Samstag nicht auf

Die Junge Bläserphilharmonie Ulm sagt ihr Jahreskonzert im CCU kurzfristig ab. Wie es weitergeht, ist unklar.

Lange gerungen, am Ende vergeblich: Die stark steigende Zahl an Corona-Fällen auch in Ulm veranlasst die Verantwortlichen der Jungen Bläserphilharmonie Ulm (JBU), das Jahreskonzert ihres Großen Orchesters und ihres Nachwuchsorchesters kurzfristig abzusagen. Der Konzertabend hätte als erstes Konzert der JBU seit dem Lockdown am Samstag im Congress Centrum Ulm stattfinden sollen.

Ein weiterer Grund für die Absage: Ein von der JBU erstelltes Hygiene- und Sicherheitskonzept sah unter anderem die Nutzung der Pionierkaserne als Backstagebereich für das Umkleiden und Einspielen der Musiker vor; das ist nun nicht mehr möglich. Denn eine kurzfristige am Freitag in Kraft getretene neue Corona-Maßgabe verbietet die Nutzung von Schulräumen für außerschulische Aktivitäten.

JBU-Dirigent Josef Christ bedauert die Konzertabsage zutiefst. „Leider müssen wir unseren jungen Musikerinnen und Musikern ein wichtiges Ziel, das bedeutsam war für die Motivation, voder der Nase wegnehmen. Mit uns hatten sich auch viele Eltern und Verwandte auf dieses erste Konzert nach vielen Monaten gefreut.“ Gleichzeitig zeigt Josef Christ Verständnis: „Gesundheit und Sicherheit haben natürlich absoluten Vorrang. Wir müssen uns nun neue Ziele setzen.“ Möglicherweise könne das Jahreskonzert im Frühjahr nachgeholt werden.

Quelle: Südwest-Presse Ulm
Autor: unbekannt
Datum: 17.10.2020


Deutscher Orchesterwettbewerb fällt aus – Enttäuschung bei der JBU

Sie sind das beste Jugendblasorchester Baden-Württembergs – und das schon zum fünften Mal in Folge: die Junge Bläserphilharmonie Ulm, hier beim Jahreskonzert 2019 im CCU.
Foto: Ralf Hinz

Seit Monaten hatten sich die Musiker auf den Deutschen Orchesterwettbewerb vorbereitet. Doch der Bundesentscheid fällt aus.

Geschockt. So beschreibt Felix Tenzer seine erste Reaktion. „Wir wollten in diesem Jahr wieder angreifen und uns den Titel holen.“ Seit sechs Jahren spielt der 20-jährige Klarinette in der Jungen Bläserphilharmonie Ulm (JBU). Als bestes Jugendblasorchester Baden-Württembergs sollten die rund 60 Musikerinnen und Musiker im Mai zum Bundesentscheid des Deutschen Orchesterwettbewerbs (DOW) in die Beethovenstadt Bonn reisen. Doch seit Mitte März ist klar: Das Finale muss wegen der Corona-Epidemie abgesagt werden. Die Enttäuschung war groß.

Anfang November hatte sich das Große Orchester beim Landesentschied in Metzingen gegen die anderen Bewerber aus dem Südwesten durchgesetzt – und sich damit zum fünften Mal in Folge qualifiziert. 2004 belegte die JBU beim DOW den dritten Platz, 2008 den ersten, 2012 den zweiten. Auch 2016 beim Heimspiel in Ulm wurden sie Vizemeister. Aus 2020 wird nichts. „Dabei hätten wir gute Chancen auf einen der ersten Plätze gehabt“, sagt Dirigent Josef Christ.

Seit Anfang des Jahres haben sich die Musiker – alle zwischen 12 und 22 Jahre alt – auf den Wettbewerb vorbereitet. Auf dem Programm: das Pflichtstück „Wer ist Elise?“, bei dem Komponist Johannes Stert anlässlich des Beethovenjahrs 2020 mit Versatzstücken der bekannten Komposition spielt. Außerdem Werke des Italieners Franco Cesarino und des Japaners Satoshi Yagisawa.

„Wir haben viel Zeit investiert“, sagt Adriana Gruhle, „ich habe mich wirklich darauf gefreut.“ Die 18-jährige Schülerin spielt seit zwei Jahren im Orchester Querflöte und ist Jugendvertreterin. Für sie wäre der bundesweite Wettbewerb eine Premiere gewesen. „Es ist wirklich schade – besonders, weil viele nach ihrem Abitur das Orchester wahrscheinlich verlassen werden.“

Christ kann die Enttäuschung verstehen. „Sie hatten ein gemeinsames Ziel vor der Nase, das ist jetzt erst einmal weg.“ Doch er betont: „In dieser besonderen Situation geht die Gesundheit einfach vor.“ Und: „Umsonst war das Üben natürlich nicht.“ Denn der bundesweite Wettbewerb, der normalerweise nur alle vier Jahre stattfindet, soll vermutlich auf das Jahr 2021 verschoben werden.

„Es ist von besonderer Bedeutung, ihn nicht ganz ausfallen zu lassen“, schreibt der Deutsche Musikrat in einer Pressemitteilung. Derzeit würden die Voraussetzungen geprüft. „Aktuell kann man nur abwarten und zuschauen“, sagt Christ.

Einzelunterricht per Skype

Trotz Kontaktverbots stehen die Musiker und ihr Dirigent weiterhin in Kontakt – bis vorerst Anfang Mai eben virtuell. Eine Orchesterprobe sei über Skype leider nicht möglich, sagt Christ. Zu störend die zeitliche Verzögerung, zu schwierig das Zusammenspiel. Dafür gibt es Einzelproben per Videoanruf. „Wir versuchen, das Orchester auch aus der Ferne weiter aufzubauen“, sagt er und lobt den Einsatz und die konzentrierte Arbeit der Musiker. „Wenn ein Start wieder möglich ist, dann wollen wir gut vobeireitet sein.“

Wann dieser Startschuss fällt, ist derzeit noch unklar. Der Sommer wird jedoch wohl auch für die Mitglieder der Jbu ruhiger werden, als gedacht. Bereits vor Ostern hatte man eine für August geplante Konzertreise durch Italien mit Station unter anderem in Florenz abgesagt. Auch weitere größere und kleinere Konzerte in der Region werden ausfallen müssen. Christ: „Wir fahren auf Sicht.“

Trotz Absagen und Unsicherheiten: Die jungen Musiker bleiben auch weiterhin motiviert. „Ich spiele in der Quarantäne mehr als sonst“, sagt Gruhle, „man hat ja auch viel mehr Zeit.“ Auch Tenzer, der zugleich Konzertmeister der JBU ist, will am Ball bleiben. Er hofft darauf, dass der DOW im nächsten Jahr tatsächlich stattfindet. „Für uns ist das ein absolutes Musik-Highlight“, sagt er, „fast so etwas wie die Olympischen Spiele.“

Ein Wettkampf rund um die Musik

Rund 5000 Musiker in mehr als 100 Amateurensembles waren zum Bundesfinale erwartet worden. Alle vier Jahre findet der Deutsche Orchesterwettbewerb (DOW) statt. Seit 1986 wird er vom Deutschen Musikrat in Kooperation mit der ARD veranstaltet. Austragungsorte waren unter anderemWürzburg, Berlin, Ulm – und in diesem Jahr vom 16. bis zum 24. Mai eigentlich Bonn. Zentrales Anliegen des DOW ist die Förderung zeitgenössischer Musik und die Darstellung der Vielfalt der deutschen Amateurorchester. Finanziert wird der Wettbewerb von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.

Quelle: Südwest-Presse Ulm
Autor: Katrin Stahl
Datum: 18.04.2020


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